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Solo mit
Shorty
Der erste Einhandtörn in der
Ostsee
13. bis 23. September 2008
Im Stadthafen von Flensburg stehen die
Stege unter Wasser. Seit Tagen bläst der Ostwind, zuletzt war im
Deutschlandfunk von acht Windstärken die Rede. Das Ergebnis: Am innersten
Ende der Flensburger Förde steigt der Wasserspiegel, die Stege sind
bereits gut einen halben Meter überschwemmt.
Das Video: Einfach anklicken (Spieldauer vier Minuten)Ich bin soeben angekommen. Es war eine
Fahrt in die Kälte. Bei hochsommerlichen Temperaturen habe ich
Österreich verlassen, je weiter ich nach Norden komme, desto kälter
und unfreundlicher wird das Wetter. Seit Nordhessen ziehen dunkle Wolken
über das Land, aus denen es manchmal regnet, Flensburg empfängt mich
mit kühlem Wetter, schwere Regenwolken hängen über der Stadt.
Hier soll mein erster Törn beginnen, den ich alleine unternehme, einhand,
wie man so schön sagt. Nicht, dass ich noch nie alleine gesegelt
wäre, aber bisher immer nur auf einem Binnenrevier und für
höchstens zwei Tage. Es geht auch nicht darum, dass ich plötzlich zum
Misanthropen geworden wäre, der keine anderen Menschen um sich haben will.
Ich will eher herausfinden, wie es mir geht, wenn ich alleine aufs Meer hinaus
fahre. Ein Experiment sozusagen.
Nun stehe ich fröstelnd vor den
überschwemmten Stegen.
Samstag, 13. September 2008:
Flensburg
Die Regatta rund Lyø ist abgesagt
worden. Vergangenen Abend hätte die Flensburger Woche mit der
traditionellen ersten Regatta zu der kleinen dänischen Insel beginnen
sollen, doch bei Windstärke acht im Großen und im Kleinen Belt
wollte die Regattaleitung kein Risiko eingehen. Der Himmel über Flensburg
ist nach wie vor trüb, der Ostwind heult, hin und wieder regnet es. In der
Cafeteria eines Supermarkts frühstücke ich als erster Gast. Der Wirt,
bei dem ich mich vergangene Nacht eingemietet habe, hat mich verwundert
angeschaut, als er erfuhr, dass ich zu einem Segeltörn gekommen bin. Wie
er noch jung war, hat er so etwas auch gemacht, sagt er bedächtig. (Er ist
in meinem Alter.) Nach dem Frühstück kaufe ich Lebensmittel für
meinen Törn ein, versorge mich mit Medikamenten gegen Erkältung,
sitze noch eine Weile in einem Kaffeehaus in der Fußgängerzone, in
dem es herrlich warm ist, und schaue mich im Museumshafen um, in dem in einer
bemerkenswerten Kollektion die Entwicklung der Yacht aus Fischerbooten
dargestellt wird. Am Nachmittag fahre ich dann zum Hafen Niro-Peterson, einem
Hafen im Industriegelände. Dort liegt das Boot, eine Sun 2500, genannt
"Shorty", wahrscheinlich weil sie um so viele kleiner ist, als die anderen
Charterboote. Sie ist wirklich schmuck, steiler Steven, offenes Heck, klare
Linien - ich kann mich an ihr kaum sattsehen.  Die Sun 2500 "Shorty"
Sonntag, 14. September 2008: Flensburg
- Wackerballig
Einen Rekord habe ich bereits erreicht:
Die morgendliche Temperatur in der Kabine betrug zehn Grad Celsius,
Luftfeuchtigkeit knapp über achtzig Prozent. (Noch habe ich keine Ahnung,
dass dieser Rekord nicht lange halten wird.) Vor ein paar Jahren verzeichnete
ich elf Grad morgendliche Temperatur in einem stürmischen Juni in
Cornwall, sowie zwölf Grad bei einem Märztörn in der Adria.
Bergschlafsack, Pyjama und Trainingsanzug sind zu wenig, um gut zu schlafen.
Nächste Nacht muss ich mehr anziehen. Auf den Einsatz des
Heizlüfters, den ich vorsorglich mitgebracht habe, verzichte ich, nachdem
die Sicherungen am Steg durchgeknallt sind.
Dafür lugt heute die Sonne zwischen
den Wolken hervor.
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