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Solo mit Shorty

Fortsetzung 1

Bevor ich ablege, gibt es noch ein paar Aufregungen. Die kleine Sun verfügt nur über eine einzige Batterie, eine ganze ordinäre Autobatterie, und die ist leer, weil ich vergangene Nacht den Ausfall der Sicherung zu spät bemerkt habe. Die Maschine startet nicht, sondern gibt nur ein mattes Röcheln von sich. Ich kann mir bei der Charterfirma Ersatz besorgen, eine aufgeladene Batterie, und eine Stunde später als geplant, werfe ich die Leinen los. Der Wind weht mit drei bis vier Windstärken aus Nordost, ich muss nach Nordosten segeln, um die Förde zu verlassen.

Ich lasse das Boot vor dem Industriehafen treiben und brauche eine Weile, bis ich das Großsegel gesetzt habe. Es ist immer dasselbe mit einem fremden Boot: Am ersten Tag geht es drunter und drüber, bis ich herausgefunden habe, wo es hakt und klemmt. Dieses Mal liegt es an einer Reffleine, die ich im Trubel zu lösen vergessen habe.

Danach stellt sich das vertraute Glücksgefühl ein: Das Boot verlässt den Hafen, wir, "Shorty" und ich, sind endlich unterwegs.


Endlich unterwegs!

Auf der Flensburger Förde tummeln sich hunderte von Booten. Nachdem sich das Wetter gebessert hat, wird auf Teufel komm raus Regatta gesegelt. Vier oder fünf Felder scheinen hintereinander zu starten. J-80, Melges, Drachen, alle möglichen Bootsklassen kann ich erkennen, auch große Hochseerennyachten rauschen mit beeindruckender Bugwelle vorbei. Die einen kommen mir unter Spinnaker entgegen, die anderen kreuzen in dieselbe Richtung wie ich, ein verwirrendes Durcheinander. Manche passieren mich im Abstand von höchstens einem Meter, obwohl ich versuche, so gut es geht am Rand der Förde zu segeln, immer mit einem Auge auf das Echolot. Bisher habe ich in der Ostsee noch keinen Törn ohne Grundberührung erlebt.

Mittag ist längst vorbei, als ich mit Aufkreuzen und Ausweichen endlich die Enge von Holnis erreiche, die Ausfahrt aus der Förde, in der ein Felsen lauert, den die Einheimischen respektvoll "die Schwiegermutter" nennen. Ich mache einen sorgsamen Bogen um die Untiefe, danach kann ich mit dem Wind im Rücken die Förde und den Trubel der Regatten verlassen.


Der Steg von Wackerballig

Gegen 19 Uhr erreiche ich Wackerballig, einen kleinen Hafen in der Nähe von Gelting. Ich bin einigermaßen durchgefroren. Da es auf der "Shorty" keinen Autopiloten gibt, habe ich durchgehend Wache an Deck und kann mich unterwegs nie in die windgeschützte Kabine zurückziehen.

Montag, 15. September 2008: Wackerballig - Sonderborg

Der Hafenmeister von Wackerballig ist ein freundlicher älterer Herr. Er ist in der Gegend geboren und macht seinen Job wirklich gerne. Viele von den Booten, die hier liegen, sagt er, gehören Einheimischen. Kurz und gut, dieser an der See groß gewordene und revierkundige Hafenmeister pflichtet den Wetterberichten bei und geht wie sie davon aus, dass der Wind noch bis zumindest Mittwoch aus Nordost kommen wird. Ein Tief über Island, sagt er, wird von einem Hoch über der Nordsee nach Skandinavien gedrückt.

Ich muss meine Pläne überdenken. Ursprünglich war mein Törnziel die Stadt Marstal auf der dänischen Insel Aero. Mit westlichem Wind wäre es ein leichtes, in einem Schlag dorthin zu segeln. Da aber der Nordost die nächsten Tage anhalten soll, beschließe ich, nicht weiter als bis Schleimünde nach Osten zu gehen. Ich will nicht gegen Schluss des Törns auf dem Rückweg nach Flensburg eine allzu weite Strecke gegen den Westwind kämpfen, der vermutlich irgendwann einsetzen wird.

Also unternehme ich an diesem Tag einen gemächlichen Schlag nach Sonderbørg, ein wahres Vergnügen bei stetigem Nordost.


Sonderborg, Büro des Hafenmeisters

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