
Craobh liegt im Südwesten von
Oban
Die
Abgeschiedenheit der Hebriden ist übrigens so groß,
dass man uns bei der Firma, bei der wir gechartert haben, ans Herz
legt, allen unseren Proviant noch in der Nähe der
Großstadt zu kaufen. Und so hält der Fahrer, der uns
nach Craobh (sprich: kruuf) bringen soll, unterwegs bei einem
großen Supermarkt, in dem wir, sehr zu Erheiterung der
Kassiererin, Lebensmittel für zwei Wochen in unsere
Einkaufswagen laden, darunter 63 Liter Mineralwasser. So
vollständig wie möglich eben. Was jetzt vergessen
wird, kann nicht mehr besorgt werden.
Danach geht
die Fahrt in die saftig grüne Welt der Highlands. Die Wolken
hängen schwer in den Berggipfeln, die ganz nahe sind. Und an
dieses alpine Idyll schließt sich unmittelbar das Ufer des
Loch Fyne, eines langgestreckten Ausläufers des Nordatlantik,
der bis unter die Berge reicht. Wir passieren das Dorf Inverary,
erreichen Kilmory Castle und zweigen dann in eine noch kleinere
Straße ab, die nach Norden führt, in Richtung der
Ortschaft Oban. Kurz bevor wir uns Oban nähern, biegt der
Fahrer noch einmal ab, und der Wagen hüpft über
zahlreiche Schlaglöcher zu einer von Hügeln
eingeschlossenen Bucht hinunter: Craobh-Haven, das aus ein paar
Häusern, einem Pub und den Stegen einer Marina besteht, einer
der wenigen Plätze in der Welt der Hebriden, in der es etwas
so Luxuriöses wie Sanitäranlagen und Landstrom gibt.
Die Häuser sehen zwar alt aus, aber das täuscht. Sie
wurden im Jahr 1983 von Architekten im alten schottischen Stil
entworfen und werden an Urlauber vermietet.
Eine Weile irren wir im Nieselregen über die Stege auf der
Suche nach jemanden von der Charterfirma. Dann machen wir die charmante
Jill ausfindig, eine Lehrerin, die im Zweitberuf für
Portway-Charter arbeitet, und es entwickelt sich das heitere,
angelsächsische Chaos, das wir von England und Kanada bereits
gut kennen: Das ursprünglich gebuchte Boot, eine Elan 333 ist
nicht da, weil der Auspuff repariert werden muss. Auf dem Ersatzboot,
das uns angeboten wird, ist die Heizung ausgefallen und da uns der
Gedanke wenig begeistert, uns bei Temperaturen von höchstens
zwölf Grad nicht aufwärmen zu können, werden
wir schließlich auf eine Bavaria 38 verfrachtet und mit ein
paar elementaren Hinweisen zu den Eigenheiten des Bootes, die, wie sich
herausstellen wird, zur Hälfte falsch sind, uns selbst
überlassen.
Es wird ziemlich spät, bis wir uns einigermaßen
zurecht gefunden und unseren Luxusdampfer seeklar gemacht haben. Wir
essen in dem Pub zu Abend. Es wird das letzte Mal für die
nächsten zwei Woche sein, dass wir auswärts essen.
Das Pub in
Craobh
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